4. Logik der Reduktion

1. Mit der wissenschaftlichen Theorie und mit der kontroversen Debatte um die Anerkennung des Reduktionismus bzw. die Widerlegung der Wirksamkeit hat die Verwendung des Begriffes Reduktion in diesem Abschnitt der Kunsttheorie nichts zu tun (A 3) : Reduktion (lat. reductio) wird hier schlicht im Wortsinne verwendet und bezeichnet allgemein die Zurückführung von etwas auf den Kern der Sache.

2. Mit dem Begriff der künstlerischen Reduktion ist dann das Verfahren bezeichnet, eine Sache auf das richtige Maß zurückzuführen – bzw. ein Motiv oder ein Sujet so zu reduzieren, dass nur das Wesentliche zur Erscheinung gebracht wird. Im alltäglichen Leben verwenden wir Reduktion ganz selbstverständlich. Für jede Handlung, die wir vollziehen, konzentrieren wir uns auf die sachlich wichtigen Situationselemente und blenden alle anderen aus.

3. Deutlich veranlasst die herrschende Dissonanz eine Vielzahl von Reduktionen in der neueren Moderne, die als Strukturelemente in die künstlerische Tätigkeit eingehen und vielfältig mit der traditionellen Kunst brechen. Erste Reduktionsbemühungen führen über die Negation der Bezeichnungselemente für das Empirische zur akzentuierten Bildwirklichkeit, in bestimmtem Sinne zur Allegorie. Der Abbildlichkeit an der Oberfläche wird abgesagt, an der Kategorie der Deformation macht Adorno das fest. Für ihn besteht die wesentliche Differenz darin, dass der Objektivation der Substanz keine wirkliche Erscheinungsform gegenüber steht. Insofern destruieren die Künstler die Erscheinungsformen der Wirklichkeit. Sie bilden sie nicht unmittelbar mehr ab, sondern geben dem Kern der Sache eine eigenartige Kunstwirklichkeit: Das unbezeichenbar Wesentliche tritt am unbeschönigten Sachverhalt der Gebilde dort als spürbar Abwesendes hervor. Bemühte Künstler kehren also heute das in der künstlerischen Tätigkeit innewohnende objektive und subjektive Herrschaftsmoment dialektisch um: in den Dienst der Wahrheit Gestalt zu geben.

4. Zwar reißt auch solche Reduktion die Elemente des Wirklichen aus ihrem realen Zusammenhang. Sie sind insoweit unvollständig. Nebensächliches wird weggelassen bzw. Wesentliches wird stärker betont. Um zu aufzuklären, muss demnach das kritisch materialistische Motiv durchschlagen. Es ist ein angestrengter Versuch, die Möglichkeit des Schönen im Vorhandenen, das nicht beschönigt wurde, zu synthesieren, was immer den Hintergrund ästhetischer Bemühungen ausmacht. Die Reduktion der Kunst korrespondiert mit der aktuellen Lebenssituation.

5. „Kunst möchte durch Konstruktion desperat aus eigener Kraft ihrer nominalistischen Situation, dem Gefühl des Zufälligen sich entwinden, zu einem übergreifend Verbindlichen, wenn man will, Allgemeinen gelangen. Dazu bedarf sie jener Reduktion der Elemente, welche dann diese zu depotenzieren droht und auszuarten in den Triumph über nicht Vorhandenes.”( Adorno, Ästhetische Theorie, S. 91)

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Horst14 September 2011, 10:45

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Carly?24 August 2011, 17:53

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Keys?24 August 2011, 03:35

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Lawanda?24 August 2011, 01:17

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