Logik der künstlerischen Reduktion

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1. These: Bestimmend in der künstlerischen Arbeit ist die Reduktion (d.h. die Zurückführung von etwas auf den Kern der Sache).

Diesmal beginnen wir mit einer kleinen Anekdote:

Ein berühmter japanischer Meister bekam von einem Kunden den Auftrag, das Bild einer Ente zu malen. Vier Jahre ließ sich der Maler Hokusai Zeit, dann lieferte er es dem Kunden aus. Der war begeistert. Doch als er den Preis bezahlen sollte, erschrak er und fragte: Warum der Preis so hoch sei und weshalb die Ausführung so lange gedauert habe. Hokusai führte den Mann wortlos in sein Arbeitszimmer und öffnete eine gewaltige Truhe. Sie war randvoll mit Skizzen und Zeichnungen. Über 150 Blätter mit unterschiedlichsten Darstellungen von Enten kamen zum Vorschein. - Der Kunde bedankte sich mehrmals, zahlte den Preis und ging zufrieden von dannen.

Nun aber zu unserem Anschauungsmaterial, dem man in Analogie zur Anekdote das Ringen eines Künstlers um das Erfassen der Form deutlich ansehen kann. Piet Mondrians Baumstudien entstanden in seiner Frühzeit und führten letztlich zur Reduktion auf das tektonische Prinzip seiner Kompositionen.

Piet Mondrian - Bauernhaus Piet Mondrian - roter Baum Piet Mondrian - grauer Baum Piet Mondrian - Baum Piet Mondrian - bluehende Baeume Piet Mondrian - Komposition Nr.10 Piet Mondrian - Komposition mit rot

2. These: Reduktion wird in der bildnerischen Arbeit auf zwei Ebenen vollzogen: inhaltlich und parallel dazu in der Bestimmung der optischen Elemente.

Bei Horst Janssen zeigt sich dieser Reduktionsvorgang. In einer Auswahl seiner Selbstportraits erkennt man deutlich, wie sich der Künstler auf einen akuten Zustand seiner Person konzentriert. Alle anderen Äußerlichkeiten sind eliminiert. Übrig bleibt jeweils das Substrat des Momentes.

Horst Janssen - Portraitfoto Horst Janssen - Selbstportrait 1 Horst Janssen - Selbstportrait 2 Horst Janssen - Selbstportrait 3 Horst Janssen - Selbstportrait 4 Horst Janssen - Selbstportrait 5 Horst Janssen - Selbstportrait 6 Horst Janssen - Selbstportrait 7 Horst Janssen - Selbstportrait 8 Horst Janssen - Plakat mit Selbstportraits

3. These: Dabei kann Reduktion so konsequent werden, das die Elemente des Bildes keinerlei Gegenständlichkeit widerspiegeln.

1. Beispiel: Die Reduktion der Fotoansicht eines Zyklons auf die physikalische Form als Ausdruck der innewohnenden mechanischen Gewalt:

ZyklonFoto zyklonKonturen 2.Schülerarbeit Schülerarbeit UeckerSpiraleNägel

2.Beispiel: Ästhetische Reduktion funktioniert nicht immer rein logisch. Sie ist abhängig vom Zustand und Geschlecht des künstlerischen Subjekts. Der subjektive und der objektive Standpunkt bestimmen die Wahrnehmung und damit die Gewichtung der Elemente der Erscheinungen der Wirklichkeit. Ästhetische Reduktion dringt demnach nicht automatisch zum objektiven Kern eines Phänomens durch – sie bringt nur das ans Licht, was vom „Wesentlichen“ auf das wahrnehmende Subjekt wirkt.

AnitaReeSelbstbildnisjpeg EgonSchiele BommerlunderBretterwandStölting SektflascheFrauBirneStölting MarxTischdeckeStölting Guernica GuernicaPicasso FriedenstaubePicasso OttoDixFlandern

4. These: Reduktion führt in ihrer radikalsten Form zur Anwendung und Darstellung der real wirkenden Kräfte.

PierreSoulagesGemälde PatSteir.Wasserfall RoyLichtenstein