5. Standpunkt und Perspektive

1. Standpunkt und Perspektive bestimmen in allen Epochen die Arbeit des Künstlers. Wie man aber Ort und Zeit erfährt, ist von den Bedingungen der Zeit selber abhängig.

2. Also sind Absichten, Ziele und Möglichkeiten, die verfolgt werden können, historisch fixiert. Sie bestimmen den Blickwinkel, die Blickrichtung die Art der räumlichen Darstellung.

MarinusVanReymerswaeleDerGeldwechslerUndSeineFrau1540

'+2.1.Mit dem Wechselbrief wird ein Instrument geschaffen, um verbotene Zinsgeschäfte zu verschleiern. Die aus brutalen Kriegsknechten hervorgegangenen Medici, die weiterhin geldgierig und korrupt waren, konnten mit der großzügigen Stiftung von Kunst für Kirchen schließlich doch noch die Eintrittskarte ins Paradies lösen und zu angesehenen Mäzenen und Kulturförderern werden. Die damals wie heute gefeierte Schönheit wurde nicht nur aus den von der Kirche verteufelten Zinsgeschäften bezahlt , sondern dient auch dazu, diese zu maskieren.+'

3. Die Zeit der Renaissance und der Reformation ist eine Zeit des Wandels des Denkens und der Wahrnehmung der Welt. Vom Hier und Jetzt geht der Blick auf das Irdische, es ist der Blick auf die Welt von einem Punkt in der Welt.

3.1. Mit der rationalen Festlegung eines gemeinsamen Standpunktes von Maler und Betrachter wurden in der Renaissance die alten Darstellungstechniken zuerst zentralperspektivisch zusammengefasst und im Bild zur Wirkung gebracht.

DürerPerspektiveKonstruktion AlbrechtDürerDerZeichnerDesLegendenWeibes1525

3.2.„Dann wird der Punkt, in dem die Fadenlinie die durch einen Holzrahmen begrenzte Bildebene schneidet, durch den Kreuzungspunkt eines horizontalen und vertikalen Fadens markiert. Daraufhin wird dieser Punkt auf die davorgeklappte Malfläche übertragen, die anschließend wieder entfernt wird, um weitere Punkte markieren zu können. Das Ergebnis ist eine Punktverteilung, die – mit Linien verbunden – eine perspektivisch erscheinende Wiedergabe des Objekts erkennen lässt: Eine zweidimensionale Projektion eines dreidimensionalen Gegenstandes.“ Harald Klinke.

4.Die neuen Techniken eröffneten die klare, tektonisch organisierte Bildgestalt. Der Betrachter wurde aus der Position der Andacht verdrängt. Ihm wurde ein fester Standpunkt zugewiesen und die Voraussetzung für ein individuelles Porträt war entstanden.

RenaissancePorträt

5.Die Maler entwickelten bis heute perspektivische Grundlagen, die weit über bloße Raumillusion durch perspektivische Konstruktion die Vielheit der real erkannten Dimensionen (auch der Zeit) ins Bild übertragbar machten.

6. Den Sinnen sind nur die Erscheinungsqualitäten des Wirklichen zugänglich. Von diesem Standpunkt aus erfuhr der Künstler die Welt als Beteiligter und als Betroffener.

7.Das führte in der Kunst zur Betonung der physikalischen Bedingungen der Wahrnehmung, der Malerei, des Eigenwertes des Materials und der Flächigkeit des Bildes.

8.Radikal wird das gesamte verfügbare bildnerische Stilisationsrepertoire eingesetzt, um damit die derzeitige Scheinwirklichkeit aufzubrechen und „Wirkliches“ durch „Kunstwirkliches“ wieder wahrnehmbar zu machen.

9.1.Derselbe Gegenstand kann abhängig vom Standpunkt des Betrachters völlig unterschiedlich betrachtet werden. Vergleiche auch Heldendenkmal Soldat und die Trauer des Kindes.

Heiopeis1 HeiopeisStandpunkt2 (A 5) ,:

9.2. Dem Standpunkt kommt für die Ästhetische Tätigkeit gleiche Bedeutung zu wie der perspektivischen Ausrichtung. Mit der Festlegung dessen, was nicht mehr sein darf, sein soll, entwickelt sich ein Ausgangspunkt an der Grenze des Geläufigen. Der Naturalismus dominiert.

10. Kunst entzieht sich der bürgerlichen Erwartung des Kunstgenusses. Gegenwärtige Kunst fordert ihre Erfahrung heraus.

11. Ästhetische Tätigkeit verweigert sich gegen die Versöhnung mit dem schlecht Gegebenen. (A 6),:

12. Bilder bringen keine Lösungsvorschläge mehr. Sie enthalten keine Utopie, können somit nicht schön sein. Indem sie Verstörendes in die Verhandlung bringen, ist die Rezeption aufgerufen gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

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Christina?05 Oktober 2011, 23:11

Eine bemerkenswerte Information - Meine Beschäftigung mit der neueren Moderne hat an Intensität gewonnen.

Horst14 September 2011, 10:52

Die technische Dimension von Standpunkt und Perspektive ist geläufig - mir fehlt die genauere Charakterisierung der modernen Situation.